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Hands‑on: taugt das nothing phone (1) als zweithandy für privacy‑bewusste nutzer?

Hands‑on: taugt das nothing phone (1) als zweithandy für privacy‑bewusste nutzer?

Als Technikjournalistin mit Fokus auf Alltagstauglichkeit habe ich das nothing phone (1) einige Wochen als Zweithandy genutzt — speziell mit Blick auf Nutzerinnen und Nutzer, die Wert auf mehr Privacy legen. In diesem Hands‑on schildere ich meine Erfahrungen: Was kann das Gerät in puncto Datenschutz? Wo liegen die Grenzen? Und für wen eignet sich das phone (1) tatsächlich als Back‑up oder Zweitgerät?

Erster Eindruck und Verarbeitung

Das auffälligste Merkmal des nothing phone (1) ist das Design: das transparente Rückgehäuse mit den LED‑Glyphs zieht Blicke an und ist gleichzeitig funktional — Benachrichtigungen lassen sich visuell gut erfassen, ohne das Display zu aktivieren. Die Haptik ist hochwertig, das Gerät liegt gut in der Hand und fühlt sich nicht wie ein billig produziertes Einstiegsgerät an. Für ein Zweithandy ist das Gewicht angenehm und die Abmessungen sind kompakt genug, um es in einer Jackentasche immer dabei zu haben.

Nothing OS und Datenschutz: was ich getestet habe

Nothing setzt auf ein eigenes UI, Nothing OS, das auf Android basiert. Bei meinen Tests habe ich mehrere Aspekte geprüft:

  • Installationsprozess und mitgelieferte Software
  • Tracking durch vorinstallierte Apps
  • Privacy‑Einstellungen und App‑Berechtigungen
  • Updates und Transparenz seitens des Herstellers
  • Beim ersten Start gefiel mir, dass Nothing keine endlose App‑Flut vorinstalliert — das ist ein großes Plus für Privacy‑bewusste. Es gibt einige partnerschaftlich vorinstallierte Apps, aber nichts in dem Maße, wie man es von manch anderen Herstellern kennt. Standard‑Google‑Dienste sind vorhanden, was für viele Nutzerinnen und Nutzer jedoch unvermeidlich ist, wenn man Play Store und Co. nutzen will.

    Wie gut ist die Kontrolle über Berechtigungen?

    Android erlaubt seit längerem granulare Berechtigungen, und Nothing OS macht davon Gebrauch: App‑Berechtigungen lassen sich sauber verwalten, Hintergrundaktivitäten einschränken und der Zugriff auf Standort, Kamera oder Mikrofon kann temporär entzogen werden. In der Praxis habe ich folgende Dinge aktiv getan:

  • Standortzugriff für alle Apps standardmäßig deaktiviert und nur bei Bedarf für einzelne Apps freigeschaltet.
  • Mikrofonzugriff für Social‑Apps nur bei Nutzung erlaubt.
  • App‑Hintergrundaktivität bei Messengern eingeschränkt, um unnötiges Tracking zu minimieren.
  • Das Gerät liefert außerdem eine sichtbare Anzeige, wenn Apps auf Standort oder Kamera zugreifen — das sorgt für Vertrauen. Für maximalen Datenschutz empfehle ich, beim Setup bewusst auf Google‑Anmeldung zu verzichten oder ein separates Konto zu verwenden, wenn das Ziel ist, das Zweithandy möglichst isoliert zu betreiben.

    Privacy‑Funktionen und Limitierungen

    Nothing kommuniziert offen, aber es ist kein Spezialist für datenschutzsichere Systeme wie Purism oder GrapheneOS. Wichtige Punkte aus meinen Tests:

  • Keine dedizierten Privacy‑ROMs: Das Gerät läuft mit Nothing OS; wer absolute Kontrolle über Root, F-Droid und MicroG möchte, muss tiefer eingreifen oder auf alternative ROMs ausweichen — was nicht jeder Nutzer will oder kann.
  • Updates: Nothing liefert regelmäßige Sicherheitsupdates, aber nicht im Tempo eines Pixel‑Phones. Für ein Zweithandy kann das akzeptabel sein, trotzdem sollte man das Update‑Verhalten im Blick behalten.
  • Google‑Services: Wenn man Play Store und Google‑Apps vermeidet, reduziert man Tracking, verliert aber Komfort (z. B. automatische Synchronisation von Kontakten, Maps, etc.).
  • Performance und Alltagstauglichkeit als Zweithandy

    Als Zweithandy muss ein Gerät oft zwei Dinge erfüllen: zuverlässig erreichbar sein und grundlegende Apps (Messenger, E‑Mail, Zahlung, Navigation) bedienen. In diesen Disziplinen schlägt sich das nothing phone (1) sehr gut. Das Display ist hell genug, die Kamera macht für Social‑Sharing ordentliche Bilder, und die Akkulaufzeit reicht meist für einen Tag bei moderater Nutzung.

    Wichtig für Privacy‑bewusste: Ich habe getestet, wie gut sich ein zweites Gerät neben dem Haupttelefon integrieren lässt. Zwei interessante Szenarien:

  • Dual‑SIM vs. Zweitgerät: Als Zweitgerät mit eigener SIM funktioniert das nothing phone (1) sehr gut — die Erreichbarkeit ist gegeben, und man kann bestimmte Messenger ausschließlich auf dem Zweithandy betreiben, um Spuren zu trennen.
  • Hotspot und Offline‑Nutzung: Wenn ich das Phone (1) nur gelegentlich als Backup nutze, ist es praktisch, dass viele Funktionen auch offline verfügbar sind (z. B. lokale Notizen, Foto‑Backup auf microSD ist nicht vorhanden — dafür Clouds). Ich empfehle, wichtige Daten lokal zu verschlüsseln, wenn man das Gerät als Privatsphäre‑Bollwerk einsetzen will.
  • Tipps: So richtest du das nothing phone (1) als privacy‑freundliches Zweithandy ein

  • Beim Setup: Kein Google‑Account oder ein separater Account — das reduziert Cross‑Device‑Tracking.
  • Installiere Apps bewusst aus dem Play Store oder nutze Alternativen wie F‑Droid für Open‑Source‑Apps.
  • Beschränke Standort‑ und Mikrofonzugriffe, aktiviere nur bei Bedarf.
  • Nutze sichere Messenger (Signal) statt datenhungriger Plattformen.
  • Verschlüssele sensible Daten lokal mit einer Passwort‑Manager‑App (z. B. Bitwarden).
  • Regelmäßig Sicherheitsupdates prüfen und installieren.
  • Vergleich mit Alternativen

    Im Vergleich zu einem Google Pixel oder einem iPhone bietet das nothing phone (1) mehr Design‑Mut und weniger Bloatware als viele Android‑Konkurrenten. Gegenüber privacy‑spezifischen Geräten wie einem Smartphone mit GrapheneOS verliert es jedoch in Sachen Extremsicherheit. Für jemanden, der ein praktikables, schönes Zweithandy sucht, das die Privatsphäre stärker schützt als ein typisches Billig‑Android, ist das nothing phone (1) eine sehr gute Wahl.

    Aspekt nothing phone (1) Privacy‑spezialisiertes Gerät
    Design Herausragend, transparentes Rückteil Meist funktional, weniger Design‑Fokus
    Privacy out‑of‑the‑box Gut (wenig Bloat, kontrollierbare Berechtigungen) Sehr gut (minimaler Tracking‑Footprint)
    Updates Regelmäßig, aber nicht schnell wie Pixel Variiert (bei Community‑ROMs abhängig)
    Einsteigerfreundlichkeit Hoch Niedriger (oft technisches Know‑how nötig)

    Bei meinem Alltagstest hat sich gezeigt: Wer Privatsphäre möchte, aber Komfort nicht vollständig opfern will, findet im nothing phone (1) ein ausgewogenes Gerät. Es erfordert zwar ein paar bewusste Einstellungen, belohnt dafür aber mit einem modernen Nutzererlebnis und einem klareren Daten­footprint als viele konventionelle Android‑Handys.

    Wenn du magst, kann ich in einem Folgetest genau durchgehen, welche Apps ich auf dem Zweithandy installiert habe, wie ich Accounts getrennt halte und welche Einstellungen die größte Wirkung für weniger Tracking haben — inklusive Schritt‑für‑Schritt‑Anleitung für die Einrichtung.

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